Einführung einer verbindlichen Sprachförderung vor der Einschulung!

Sprache ist der Schlüssel zur Bildung und entscheidet maßgeblich darüber, wie erfolgreich ein Kind seinen Bildungsweg gestalten kann. Wer dem Unterricht nicht folgen kann, weil grundlegende Sprachkenntnisse fehlen, startet mit einem klaren Nachteil. Genau deshalb setzen wir als CDU-Fraktion darauf, Sprachförderung deutlich früher, verpflichtend und systematischer zu gestalten.

Derzeit wird der Sprachstand in Niedersachsen nicht einheitlich erfasst. Bei der Schuleingangsuntersuchung wird die Sprachkompetenz nicht erhoben, weshalb Kinder mit wenig oder keinen Deutschkenntnissen in der Statistik nicht vorkommen. Obwohl dies so ist, zeigen die Zahlen des Landesgesundheitsamtes, dass jedes vierte Kind Sprachdefizite hat – an Ballungsorten wie Hannover und Salzgitter sogar jedes zweite Kind. Diese hohen Zahlen dürfen nicht zu einem weiter so im aktuellen System führen. Wir müssen die Sprachförderung im frühkindlichen Bereich neu denken. Aktuell werden viele Defizite erst sichtbar, wenn Kinder bereits in der Schule sind und dann nur noch schwer aufgeholt werden können.

Im Moment werden Kinder, die sprachlich auffällig und nicht in einer Kita sind, erst rund 15 Monate vor der Einschulung  von den Grundschulen getestet, was für eine intensive Sprachförderung zu spät ist. Zudem müssen die Grundschulen die vorgesehenen Unterrichtsstunden nicht für die Sprachförderung vor der Einschulung verwenden und das Ministerium weiß nicht, ob die Kinder überhaupt vor der Einschulung gefördert werden. Bei Kindern, die in eine Kita gehen, soll der Sprachstand und die Förderung dort stattfinden. Hierbei kann jeder Träger anders vorgehen. Anders als in anderen Bundesländern zeigt dies, dass es in Niedersachsen kein klares, einheitliches und verbindliches Vorgehen gibt, was wir mit unserem Gesetz ändern wollen.

Unser Ansatz ist klar: Wir wollen Sprachförderung bereits im vorletzten Kita-Jahr verbindlich starten. Konkret fordern wir verpflichtende Sprachstandserhebungen für alle Kinder – durchgeführt durch die Grundschulen in enger Zusammenarbeit mit den Kitas. Nur wenn frühzeitig festgestellt wird, wo Förderbedarf in der deutschen Sprache besteht, kann rechtzeitig und gezielt gehandelt werden. Kinder, die im Sprachtest auffallen, sollen verpflichtend an intensiven Sprachförderprogrammen teilnehmen und zwar im letzten Jahr vor der Einschulung. Dabei setzen wir auf einen klar definierten Umfang von Sprachförderstunden und eine strukturierte Umsetzung in den Kindertagesstätten. Ziel ist es, allen Kindern die sprachlichen Grundlagen zu vermitteln, die sie für einen erfolgreichen Schulstart benötigen.

Gleichzeitig wollen wir die Rahmenbedingungen verbessern. Kitas müssen finanziell und personell so ausgestattet werden, dass Sprachförderung in kleinen Gruppen und mit qualifiziertem Personal stattfinden kann. Dafür sollen zusätzliche Mittel bereitgestellt und externe Sprachförderkräfte stärker eingebunden werden. Auch die vorhandenen Lehrerstunden für vorschulische Sprachförderung sollen gezielt in dieses System integriert werden. Damit gehen wir den Weg der anderen Bundesländer, die bereits jetzt die beiden ersten Bildungsinstitutionen Kita und Schule besser verzahnen.

Für uns ist klar, die Sprachförderung darf nicht an Systemgrenzen scheitern, deshalb setzen wir auf klare Zuständigkeiten, verbindliche Abläufe und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Ergänzend sollen Fort- und Weiterbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte ausgebaut werden, damit Sprachförderung fachlich fundiert und wirkungsvoll umgesetzt werden kann.

Wir achten zudem auf die Unterschiedlichkeit des Landes Niedersachsen und regeln die Detailreglung zum Beispiel des Personaleinsatzes über eine Verordnungsermächtigung, damit auf fachliche Entwicklungen und praktische Erfahrungen flexibel reagiert werden kann. 

Andere Bundesländer wie Hamburg, Berlin oder Bayern zeigen, dass verbindliche und frühzeitige Sprachförderung funktioniert. Niedersachsen darf hier nicht zurückbleiben. Wer Bildungsgerechtigkeit ernst meint, muss dafür sorgen, dass alle Kinder mit vergleichbaren Voraussetzungen in die Schule starten. Nur so gibt es echte Bildungsgerechtigkeit.