In Niedersachsen leben inzwischen über 600 Wölfe, mit weiter steigender Tendenz. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Nutztierrisse trotz aufwendiger und kostenintensiver Herdenschutzmaßnahmen hoch. Für viele Tierhalter im ländlichen Raum ist die Situation längst zur täglichen Belastung geworden. Hinzu kommen wachsende Sorgen um die Sicherheit, nicht zuletzt durch Vorfälle wie den Angriff eines Wolfs auf einen Menschen in Hamburg, der anschließend wieder in Niedersachsen ausgewildert wurde. Diese Entwicklung zeigt deutlich: So wie bisher kann es nicht weitergehen.
Das zentrale Problem liegt im Umgang der Landesregierung mit dieser Herausforderung. Obwohl der Bund nach der Absenkung des Schutzstatus neue und klarere Handlungsmöglichkeiten geschaffen hat, werden diese in Niedersachsen nicht ausgeschöpft. Statt eines wirksamen und realistischen Wolfsmanagements setzt die Landesregierung auf einen restriktiven Kurs. Die Entnahme von Wölfen ist auf maximal 27 Tiere pro Jahr begrenzt, gleichzeitig wird der mögliche Abschussradius für sogenannte Problemwölfe massiv eingeschränkt, teilweise um über 90 Prozent gegenüber den bundesrechtlichen Möglichkeiten.
Besonders kritisch ist, dass ein echtes Populationsmanagement weiterhin ausbleibt. Dabei sieht das Bundesjagdgesetz ausdrücklich vor, wachsende Bestände aktiv zu regulieren, etwa durch die Bejagung von Jungwölfen. Genau dieser Schritt wird von der Landesregierung jedoch kategorisch ausgeschlossen. Damit wird eine zentrale Stellschraube für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Artenschutz und den berechtigten Interessen von Landwirtschaft und Bevölkerung bewusst nicht genutzt. Auch der aktuelle Gesetzentwurf von SPD und Grünen zum Jagdrecht wird dieser Herausforderung nicht gerecht. Statt auf praktikable Lösungen zu setzen, bleiben wichtige fachliche Hinweise unberücksichtigt. Die Erwartungshaltung im ländlichen Raum ist eindeutig: Es braucht endlich klare, wirksame und rechtssichere Regelungen. Wer diese Erwartungen ignoriert, riskiert weiteres Vertrauen zu verspielen.
Für uns als CDU-Fraktion ist klar: Niedersachsen braucht ein aktives und verantwortungsvolles Wolfsmanagement. Dazu gehört erstens ein konsequentes Populationsmanagement, das die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten vollständig nutzt. Zweitens müssen Problemwölfe schneller und unbürokratischer entnommen werden können, ohne künstliche Einschränkungen bei Radius oder Verfahren. Drittens braucht es einen klaren Fokus auf den Schutz von Menschen, Nutztieren und den ländlichen Raum insgesamt. Die Erwartungshaltung ist hier eindeutig und darf seitens der Landesregierung nicht weiter ignoriert werden.